Das baukulturelle Schwellenland Oberösterreich: Es gibt noch viel zu tun
Auf Einladung der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten mit der Plattform Baukultur diskutierten Politiker der unterschiedlichen Fraktionen mit Standesvertretung und Publikum über die wichtigsten Fragen des Planens und Bauens im Land.
Angelegt war der Abend im "architekturforum oberösterreich" als parteiübergreifendes Sondierungsgespräch zu dringlichen Fragen der Baukultur: Wie kann die gestalterische Qualität öffentlicher Bauvorhaben besser sichergestellt werden? Wo sehen die Parteienvertreter die künftigen Aufgaben der Raumplanung und kommunalen Entwicklung? Welche Mobilitätskonzepte werden forciert? Werden Bauvorschriften an die Bundesrichtlinien angepasst?
Aufgrund der Vielschichtigkeit der einzelnen Themen kam die Gesprächsrunde kaum über den ersten Programmpunkt der ehrgeizig formulierten Agenda hinaus. Ein Grund für den großen Zeitbedarf war zudem, dass punkto Wettbewerbswesen und Vergabepraxis Aufklärungsbedarf deutlich wurde. Noch immer wird der offene Architektenwettbewerb – für die Kammer Mittel der Wahl für fast alle öffentlichen Bauaufgaben – von Entscheidungsträgern in Gemeinden wie auf Landesebene gescheut.
Nichts spricht gegen Wettbewerb
Oberösterreichs Kammerpräsident Rudolf Kolbe und der Sektionsvorsitzende der Architekten, Heinz Plöderl, nutzten das Podium, um einige Missverständnisse auszuräumen. Das Kostenargument sei nicht relevant, entgegnet Kolbe anderslautenden Vorurteilen. Ein Mehr an Einreichungen im Wettbewerb verursache lediglich mehr Zeit für Vorprüfung und Jurysitzung – im Verhältnis zu den Projektkosten eine Marginalie: "Bürgermeister und Landesbehörden brauchen keine Angst haben, dass ein ordentlicher Wettbewerb Projekte teurer macht. Das ist ein Irrtum."
Die Ottensheimer Bürgermeisterin Ulrike Böker (Landtagskandidatin Grüne) und ihr Pendant in Lengau, Erich Rippl (SPÖ), wiesen darauf hin, dass Planungs- und Prozesskosten vom Land nicht gefördert werden. Genau dort werde dann vielfach gespart. Ein gutes Wettbewerbsverfahren und der gesamte Prozess bis zur Einreichung wären aber wesentlich für die Qualität. LAbg. Alfred Frauscher (ÖVP) und Wolfgang Modera von der Wohnbauförderung oblag die Erläuterung und Verteidigung des Status quo, wenngleich in einigen Punkten Offenheit signalisiert wurde, etwa was die fragwürdige Vergabe an Generalübernehmer betrifft. Landtagskandidat Wolfgang Bernhard (Neos) trat dafür ein, Regelungen abzuspecken: "Qualität ist nicht verordenbar."
Text: Tobias Hagleitner
OÖN: 19.09.2015
