Eine Agora für die Baukultur
Der neue Leiter des afo Franz Koppelstätter im Gespräch mit Tobias Hagleitner
SonstigesAls „home-grown“ beschreibt sich der 35-Jährige augenzwinkernd: von Ausstellungskonzepten über die Organisation der Architekturtage bis hin zu Moderationen trat er schon vielfach für das Haus in Erscheinung. Ab September 2015 übernimmt er von Gabriele Kaiser, die sich künftig vermehrt eigenen Projekten widmen möchte, die Leitung des afo – Franz Koppelstätter im Interview mit Tobias Hagleitner.
Worin siehst Du die wesentlichen Aufgabenstellungen –
für das afo als Institution, aber auch für Dich als deren neuer Leiter?
Ich freue mich auf die Aufgabe, die natürlich auch Herausforderung bedeutet. Ich habe aber eine Vorgängerin, die das afo in einem ausgesprochen guten Zustand übergibt. Insofern kann ich voller Zuversicht an die Arbeit gehen.
Das afo sehe ich als einen Ort für Architektur in einem sehr umfassenden Sinn. Es wäre zu kurz gegriffen, es als Präsentationsplattform für Architektinnen und Architekten zu verstehen. Es geht darum, die Lust an Architektur zu pflegen und dort, wo sie noch nicht existiert, zu wecken.
Wie ist das zu schaffen? Was sind Deine Vorstellungen?
Fragen der Baukultur sind auf Vermittlung angewiesen. Es
gibt bereits einige Formate, die sehr gut angenommen werden. Besonders wichtig ist mir, unterschiedliche gesellschaftliche Ebenen und Altersstufen zu erreichen.
Das beginnt bei Workshops für Kinder, geht über die Zusammenarbeit mit berufsbildenden Schulen bis hin zu Angeboten, die für eine möglichst breite Öffentlichkeit interessant sind. Und auch die Architekturschaffenden selbst müssen hin und wieder daran erinnert werden, dass sie einen sehr schönen Beruf haben – dass Architektur Freude macht.
Du hast das Format „Theorie im Keller“ mit ins Leben gerufen. Wie wichtig ist Dir das afo als ein Ort der Reflexion, des Diskurses über gesellschaftliche und politische Themen?
Die lustvolle Auseinandersetzung mit Raum und Bauen ist wichtig. Aber natürlich gibt es sehr ernste Anliegen, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Eine zentrale Frage betrifft die Planungspolitik: Wie entstehen Projektvorhaben, wie und von wem werden Entscheidungen gefällt? Wie kann es gelingen, dass die Gesellschaft möglichst breit in diese Prozesse eingebunden wird und davon profitieren kann?
Welche Rolle kann das afo hier spielen?
Es kann sich als Ort anbieten, an dem diese Ausverhandlungs- und Entscheidungsprozesse stattfinden und sich mit Information und Aufklärung einbringen. Relevante Themen können über verschiedene Kanäle in einen öffentlichen Diskurs gebracht werden, sei es durch Medienarbeit oder die Formate im Haus. Die Auseinandersetzung mit Baukultur muss auch dort hingetragen werden, wo sie noch wenig stattfindet. Denn oft geht es um Entscheidungen, die über Generationen nachwirken.
Du sprichst den ländlichen Raum an. Was bräuchte es, dass
Architektur und Baukultur am Land den angemessenen Stellenwert bekommen?
Es sind immer Menschen, die Entscheidungen treffen:
vom Entschluss für den Bau eines Einfamilienhauses bis zur Flächenwidmung für ein Fachmarktzentrum. An diese Personen müssen wir aktiv herantreten, sie für die Anliegen der Baukultur gewinnen und unsere Kompetenz anbieten.
Auch außerhalb des Zentralraums gibt es engagierte Leute. Die können besser vernetzt werden, und das afo kann ein verbindender Knoten von diesem Netzwerk sein.
Ist es nicht doch auch ein Problem des Ortes? Das afo ist eben in Linz …
Das „Stammhaus“ ist in Linz und ist zentral von einem Punkt aus tätig. Ganz Oberösterreich lässt sich so nicht abdecken. Aber es kann multiplikatorisch wirken. Es gibt ja bereits überzeugende Formate, die nicht unbedingt zum afo gehören aber als Teil des Netzwerks wirksame Vorbilder sein können: verschiedene moderierte Prozesse wie die Ideenwerkstatt, die Baukulturgemeindepreise oder auch das urbane Einsatzfahrzeug „kiosque“. Das sind nur einige Beispiele, wie man sich vor Ort mit der Bevölkerung zu aktuellen Themenfeldern auseinandersetzen kann. Dieser nomadische, dezentrale Zugang in der baukulturellen Vermittlungsarbeit war vor der „Sesshaftwerdung“ hier am Herbert-Bayer-Platz schon einmal stärker vorhanden. Da gibt es Anknüpfungspunkte.
Wie möchtest Du Menschen erreichen und für das Programm begeistern, die das afo noch nicht so gut kennen oder Leute aus der Architekturszene, die selten hier sind?
Mir sind integrative Formate wichtig, wo man sich aktiv einbringen kann. Das „Forum“ in unserem Namen ist für mich Programm: Das römische Forum oder mehr noch die Agora der Griechen sind Orte der Meinungsbildung und des Diskurses, wo konsensuale Standpunkte gefunden werden können. Es wäre schön, wenn noch mehr Architektinnen und Architekten sich angesprochen fühlen, sich mit dem Verein identifizieren würden. Die Türen stehen ja offen, aber vielen fehlt offenbar der richtige Einstiegsmoment. Ich denke gerade an die jüngere Generation, Leute, die in Wien oder Graz studiert haben und nun außerhalb des Netzwerks ihrer Studienzeit in Oberösterreich arbeiten, Büros gründen oder gegründet haben. Da wollen wir uns als Treffpunkt und Austauschplattform anbieten. Ich plane ein Format, das diese Leute gezielt anspricht. Es wäre interessant zu sehen, welche Vielfalt es hier gibt.
Damit sind wir bei den programmatischen Inhalten. Willst Du das so weiterführen? Gibt es neue Ideen?
Es gibt eine Menge Ideen. Aber ich will keinen Schnitt zu dem, was Gabriele Kaiser gemacht hat. Ich möchte das, was da ist, weiterführen und schrittweise adaptieren und je nach Anforderungen verändern. Das afo muss sich mit aktuellen Themen beschäftigen und wir können die Zukunft nicht voraussagen. Deshalb bin ich weniger mit einem Programm angetreten sondern eher mit einer Haltung: die Position des Hauses als Forum für raumbezogene Themen zu festigen und auszubauen.
Spielt dabei auch die Vernetzung nach außen eine Rolle, etwa auf Häuserebene mit den Institutionen im Netzwerk der Architekturstiftung in den anderen Bundesländern?
Ja, aber nicht nur mit ihnen. Auch der Blick in die Nachbarländer ist mir wichtig, was in Passau, München, Prag oder Berlin passiert. Die Themen, die Einrichtungen dort aufgreifen, sind teilweise übertragbar. Man muss nicht alles neu ausdenken, sondern kann auch Inhalte übernehmen und weiter entwickeln, Informationen austauschen und gemeinsam mehr erreichen. Die Kommunikation und Neugier über Grenzen hinweg ist mir generell ein Anliegen, nicht nur geografisch. Baukultur profitiert seit jeher vom Austausch mit anderen Disziplinen, mit den Wissenschaften und Künsten.
Diese Kommunikation gehört gepflegt. Nicht als Selbstzweck, sondern um den Architektur-Diskurs damit voranzubringen.
